Die Geschichte
von Membratsweiler

Das Ende der Siedlung

Auch darüber gibt es keine schriftlichen Hinweise. Sicherlich führte die Aufgabe der Ortsherrschaft durch den Ortsadel zu einem Bedeutungsverlust. Wann und warum aber letztendlich der Ort verlassen wurde, lässt sich nicht mehr klären. Waren es lokale Gründe wie eine Brandkatastrophe oder das Versiegen der Quelle, hat die Pest, welche in den Jahren 1349/50 auch in Oberschwaben wütete, den Ort entvölkert, zwangen die schlechten klimatischen Verhältnisse in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts mit Kälte, nassen Sommern und dadurch verursachte Missernten die Bewohner zur Abwanderung, oder war es einfach der Trend zum Leben in zentralen Orten?

 

Einen indirekten Hinweis gibt es gibt es aber doch. Mit Vertrag vom 7.Mai 1392, abgeschlossen in Saulgau, verkaufen die Brüder Hans, Heinz und Konrad Ruoprecht zusammen mit ihrer Schwester Anna Ruoprehtin, Kinder des Hans Ruoprehts, Bürger zu Saulgau, dem Heinrich Phister ihre Öhmdwiese zu Memraswiler. Anstößer: Heinrich Phisters Öhmdwiese, Vaselis Öhmdwiese um 9 Pfd. h. (1 Pfund Heller bestand aus 240 kleinen Silbermünzen) Sie verzichten auf alle ihre Ansprüche, auch aus der Zeit, zu der die Wiese ihrem Oheim, Heinz dem Payer, gehörte.

 

Aus diesem Vertrag erfährt man:

  • die Namen von früheren Bewohnern von Membratsweiler bzw. deren Nachkommen
  • dass sie jetzt Bürger von Saulgau sind, also in die Stadt abgewandert sind (auch die weiter im Vertrag genannten Membratsweiler Grundstücksbesitzer Heinrich Pfister und (Hans) Vaseli werden in anderen Urkunden als Saulgauer Bürger bezeichnet)
  • dass sie Grundstücke aus ihrer Markung untereinander verkaufen bzw. kaufen (aus anderen Wüstungen, z.B .Gemmingen bei Scheer ist bekannt, dass die Markung der aufgegebenen Ortschaft noch lange als gesonderter Bezirk betrachtet wurde in dem nur Nachkommen von früheren Bewohnern Grundstücke besitzen durften)
  • dass im Jahre 1392 die Ortschaft Membratsweiler sich in Auflösung befand oder nicht mehr bestand

 

Schlussbetrachtung

Die Ländereien der aufgegebenen Ortschaft wurden in der Folgezeit von Braunenweiler aus bewirtschaftet und schließlich in deren Markung integriert. Als Erinnerung blieb nur der Flurname und die über Jahrhunderte sich hinziehenden Lehensvergaben des Stiftes Buchau über ein „Gütlein zu Membratweiler“, so dass der Name des verschwunden Ortes immer wieder einmal in Buchauer Urkunden aufgetaucht ist.

 

Man findet erstaunlich viele schriftliche Hinweise über den Ort Membratsweiler und doch haben sich in der Feldflur nicht die geringsten Spuren der Siedlung erhalten, nicht einmal die Wasserstelle findet man im Gelände. Wie konnte eine Ortschaft so vollständig verschwinden? Warum gibt es in Braunenweiler keine Überlieferungen über den Ort? Wäre nicht der Flurname, man wüsste nicht, dass man über die Wohnstätte von Menschen geht, die hier einst gelebt und gearbeitet haben und deren Schicksale uns für immer verborgen bleiben.

 

06.11.2021 / Ottmar Stützle




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