Die Herren von Membratsweiler
und ihre Beziehungen zu Biberach
Im Jahre 1293 erscheint erstmals in einer Urkunde der Name des Ortsadeligen : Heinrich von Menbrezwilar oder Hainricus de Membrehtswilar. Mit Vertrag vom 22.Dezemberg 1293, ausgefertigt in Biberach in lateinischer und deutscher Sprache, verkaufte Schenk Hermann von Otterswang dem Kloster Heggbach sein Dorf Ringschnait. (WUB Bd. X, Nr. 4458) Unter den vielen Zeugen, welche nach den damaligen Erfordernissen den Vertrag bestätigen mussten, findet sich an letzter Stelle sein Name. Dies ist die erste bekannte Nennung des Membratsweiler Adelsgeschlechts. (Es gibt ca. ein Dutzend verschiedene Schreibweisen des Ortsnamens).
In den Folgejahren werden die Membratsweiler immer wieder vom Hochadel als Vertragszeugen herangezogen:
| 1295 | Hainricus de Menbrehtswilar vom Truchsess Walter von Warthausen (Übergabe der Mühle zu Birkendorf an das Kloster Heggbach) (Codex dipl.Salamitamus Bd. 2, S. 483) |
| 1295 | Heinricus de Meinbrahtswiler vom Schenk Konrad von Winterstetten (Schenkung eines Fischrechtes an der Riß an Kloster Heggbach) (WUB Bd. X, Nr. 4601) |
| 1296 | H. et L. fratres dicti de Menbrehtswiler von Truchsess Walter von Warthausen (Übereinkunft mit dem nach Biberach verzogenen Heinrich genannt Maier Judsche) (WUB Bd,. X, Nr. 4768) Hier werden zum ersten Mal die Brüder Heinrich und Ludwig gemeinsam genannt. |
In den folgenden Verträgen geht es jetzt meist um Belange von Biberacher Bürgern. Die Membratsweiler erscheinen jetzt an vorderer Stelle in der Zeugenliste.
| 1298 | Hainricus dictus de Menbrehtswiler und Ludewicus de Menbrehtswiler (Die Grafen Diepold u. Ulrich v .Aichelberg übereignen dem Berthold genannt Schach von Biberach ihre Rechte auf Güter in Wasach (beim heutigen Jordanbad) mit Ausnahme derer, die dem Spital Biberach gehören) (WUB Bd. XI, Nr. 5166) |
| 1307 | Heinrich von Membratzwiler und sin Bruder Ludewig burger ze Biberach (Heinrich von Weiler stiftet zur Sühne eines begangenen Totschlags einen Jahrtag) (HStAS B 456 U 87) Heinrich und Ludwig haben jetzt das Biberacher Bürgerrecht. Ob sie ihren Wohnsitz nach Biberach verlegt haben und inwieweit das ihren Adelssitz in Membratsweiler berührt, lässt sich nicht sagen. |
| 1331 | Heinrich Membratsweiler und Ludwig Membratsweiler (Ammann Ludwig Kapfink, Rat und Gemeinde der Stadt Biberach, befreien das Haus und die Hofreite des Klosters Salmannsweiler von Steuer und Wacht.) (Hospitalarchiv Biberach A 1 U 58) Die Brüder Heinrich und Ludwig urkunden nun in städtischen Angelegenheiten und nicht mehr für den Hochadel. Sie scheinen ihren Lebensmittelpunkt in Biberach zu haben. |
| 1332 | Die Pfleger (Verwalter) des Spitals Biberach Ludwig von Menbrehtswiler, Ludwig von Ertingen und Heinrich Kadelli verkaufen ein Spitalgut zu Laupheim. (wie oben, A 1 U 60) Spitalpfleger ist in Biberach ein wichtiges und einträgliches Amt. Die Membratsweiler gehören nun zur städtischen Oberschicht.
Abb.8 - Anfangszeilen der Urkunde von 1332; Ludwig von Membratsweiler ist Spitalpfleger
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| 1345 | Heinrich von Membrechtsweiler der Ältere, Bürger zu Biberach macht eine Stiftung für sein Seelgerät (Seelenheil) (wie oben, A 1 U 76) |
| 1351 | Heinrich Membrehtswiler ist Bürge in einem Vertrag zwischen der Äbtissin von Buchau und dem Spital von Biberach. Die Urkunde trägt u.A. sein Siegel. (wie oben, A 1 U 92)
Abb.9 - Das Siegel der Membratsweiler Adeligen; Eber mit großen Hauzähnen
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| 1361 | Heinrich von Membrehtswiler, Bürger zu Biberach, bekundet, dass er keine Ansprüche auf die Wiese seines Bruders Marquart in Ummendorf erheben wird wenn der Bruder über diese als Seelgerät verfügt. ( HStAS B 515 U 1637) |
| 1362 | Heinrich von Membratsweiler, Bürger zu Biberach, verkauft dem Heinrich von Sulmingen zu Stafflangen ein Viertel am Zehnten zu Ingerkingen . Bürge ist u.A. sein Oheim Ludwig von Membratsweiler. (Hospitalarchiv Biberach A 1 U 137) |
| 1371 | Ludwig Membratsweiler, Bürger zu Biberach verkauft an Pfaff Albrecht den Arzt einen jährlichen Zins aus einer Wiese bei der Angermühle. Die Urkunde trägt u.A. sein Siegel. (wie oben, A 1 U 155) Die Membratsweiler besitzen nun Grundstücke in der Gegend um Biberach. |
| 1371 | Conrad der Schul, Bürger zu Biberach, verkauft an Hans Gäb, Bürger zu Biberach, den Kramladen seiner Pflegekinder. Siegler sind Ludwig Membrechtswiler und Hainrich der Ranz, beide Richter zu Biberach. Ludwig ist also einer der beiden Richter! (Gemeinsch.Kirchenpfl. Biberach, B 1 U 590) |
| 1375 | Adele, Ludwig Membrechtsweilers Witwe, Bürgerin zu Biberach, verkauft dem Spital ihren Leibeigenen Richard Beheym für 20 lb.H. (Hospitalarchiv Biberach, A 1 U 170) |
Die Membratsweiler Ortsadeligen haben also offensichtlich im Lauf der Zeit ihren Wohnsitz in der Stadt Biberach genommen, sich in das Bürgerrecht aufnehmen lassen und sind Teil der städtischen Oberschicht, des Patriziats geworden. Sie haben wichtige Ämter wie Spitalpfleger und Richter bekleidet, Rechtsgeschäfte beurkundet, mit ihrem Siegel versehen und Grundstücke und Einkünfte erworben.
Warum haben sie diesen Schritt getan? Waren es die widrigen klimatischen Verhältnisse in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts die zu Missernten, Einkommensverlusten und Notlagen führten? War es die Anziehung des Stadtlebens mit der Aussicht auf Ämter und Einkommen? Die Oberamtsbeschreibungen von Biberach und Riedlingen berichten übereinstimmend vom Zuzug adeligen Familien in ihre Städte, „in deren Bürgerecht sie Schutz gegen den Ungunst der Zeit gesucht haben“.
Wann genau die Membratsweiler Ortsadeligen ihren Adelssitz aufgegeben haben, lässt sich urkundlich nicht belegen, was bei der Häufigkeit, mit der sie geurkundet haben, schon etwas verwunderlich ist. Mit Sicherheit kann nur gesagt werden, dass im Jahre 1379 zum Zeitpunkt der Barner`schen Stiftung, sich Gut und Ortsherrschaft nicht mehr in ihren Händen befunden haben. Unter Berücksichtigung der Aktivitäten der Brüder Heinrich und Ludwig in Biberach darf man wohl davon ausgehen, dass der Übergang ihres Adelsguts mit „ Holz, Feld, Zwing und Bann“ an die Saulgauer Kaufleute Barner und Kröll irgendwann in der ersten Hälfte des 14.Jahrhunderts stattgefunden hat.
Das Geschlecht der Membratsweiler Ortsadeligen lässt sich urkundlich zumindest bis ins Jahr 1414 verfolgen, dann verlieren sich seine Spuren im Bürgertum der umliegenden Städte (Hospitalarchiv Biberach A 1 U 403).
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