Die Lage der Siedlung
Wo genau befand sich nun die Siedlung Membratsweiler? Hierüber gibt es keine schriftlichen Aufzeichnungen und auch die historischen Landkarten geben keine Hinweise. Im Gelände finden sich keine Spuren, die auf frühere Wohnstätten hindeuten. Die Holzkonstruktionen der Gebäude sind wohl längst dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen. Archäologische Luftbildaufnahmen, welche im Fall der naheliegenden Burg Brunsberg gute Ergebnisse gebracht haben, gibt es nicht. Auch die Luftbilder der Landesanstalt für Geoinformation und Landentwicklung zeigen keine Strukturen, welche auf eine Besiedlung hindeuten. Es muss also versucht werden, sich auf andere Weise Informationen zu verschaffen.
Hier hilft die Flurkarte („Mappa“) von 1735 weiter. Ein Blick auf die Karte genügt, um eine Besonderheit in dem fraglichen Bereich zu erkennen: Nördlich des Grundstücks Nr.72 (heute Flst. 296) ziehen sich eine Anzahl sehr schmaler Ackergrundstücke in Richtung Osten. Diese werden dann im Norden und im Osten von querlaufenden Grundstücken („Zwerchäcker“) begrenzt, welche der Geländeform folgend, sich am Hang zum Wiesental entlang orientieren. Diese kleinräumige Ackerflur bedeckt die ganze Hochfläche nördlich der Straße bis zum Abhang zum Wiesental und dem Bach hin und hebt sich deutlich von den umliegenden Feldfluren ab.
Hier haben wir vermutlich die Markung des verschwundenen Weilers vor uns, von der Feldeinteilung her ein Fremdkörper inmitten der Braunenweiler Markung. Diese Grundstückseinteilung hat sich über die Jahrhunderte hinweg erhalten und ist erst durch die Flurbereinigung von 1819/20 zerstört worden. (Die Kleinteiligkeit der Grundstücke wird wohl mit ein Grund für obige Maßnahme gewesen sein).
Hier fällt wiederum das Grundstück Nr.72 ins Auge, ein verschobenes Dreieck, umgeben von langgezogenen Ackergrundstücken, das heute noch eine andere Nutzung aufweist, als die Umgebung, nämlich eine alte Obstwiese.
Betrachtet man dieses Gelände vom Weg zum Burgstock aus und schaut nach Norden, so steht man vor einem Geländeeinschnitt in Form einer sanften Mulde. Gegen Westen zum Wasserreservoir hin steigt das Gelände stärker an, gegen Osten etwas flacher. Oben am Weg ist die Mulde breiter, das Gelände fällt dann nach Norden hin ab und verengt sich trichterförmig. Hier, in dieser geschützten Lage, könnten sich mit einiger Wahrscheinlichkeit die Gehöfte der kleinen Ortschaft Membratsweiler befunden haben.
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